Wahrsagung in China im Vergleich
Die frühesten schriftlichen Dokumente der chinesischen Zivilisation sind die sog. „Orakelknochen“, auf denen Fragen und Wünsche des Herrscherhauses festgehalten wurden. Seit dem 13. Jt. v. Chr. bis zum heutigen Tag hat die Wahr- und Weissagung eine kontinuierlich wichtige Rolle in China eingenommen, und eine große Anzahl von Methoden wurde entwickelt, um die Zukunft zu deuten.
Mit Hilfe von Objekten aus einer Ausstellung am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg von 2021 wird der Vortrag einzelne Techniken vorstellen, wobei auf europäische Parallelen hingewiesen wird. Anhand der Äußerungen des bedeutenden Gelehrten Ji Yun 紀昀 (1724-1805) soll zum anderen die komplexe Einstellung der chinesischen Elite zu diesen Praktiken beleuchtet werden.
Prof. Dr. Michael Lackner ist Seniorprofessor für Sinologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Von 2009 bis 2023 war er Direktor des International Consortium of Research in the Humanities „Fate, Freedom, and Prognostication“. Seit 2022 ist Lackner Sprecher des Center for Advanced Studies „Alternative Rationalities and Esoteric Practices in a Global Perspective“. Lackners Forschungsschwerpunkte liegen in der chinesischen Geistesgeschichte, der Jesuitenmission in China, den gelehrten Praktiken der Literaten in der Song- und Yuan-Dynastie sowie in den traditionellen Formen der Zukunftsvorhersage in China. Zu seinen jüngsten Publikationen zählen Handbook of Divination and Prognostication in China (hrsg. mit Lu Zhao), Leiden: Brill (HdO), 2022, und Le prime traduzioni latine del “Giusto Mezzo”, Piazza Armerina, Fondazione Prospero Intorcetta Cultura Aperta (mit einem Vorwort von Giuseppe Portogallo und einem Vorwort von Tiziana Lipiello).