Zu diesem Vortrag
Richard Wilhelm (1873-1930) ist eine herausragende Übersetzerpersönlichkeit, dessen Übersetzungen der chinesischen philosophischen Klassiker aus den Jahren 1910 bis 1930 bis heute in immer wieder neuen Nachdrucken und Auflagen erscheinen und weitreichende Beachtung und Anerkenntung finden.
Übersetzungswissenschaftliche Studien seiner deutschsprachigen Wiedergaben klassischer chinesischer Werke und seiner Vermittlung von Wissen zu deren Verständnis für das Zielpublikum sind aber hierzulande immer noch rar, und über seine konkreten übersetzerischen Vorgehensweisen herrschen teilweise nur ungenaue Vorstellungen.
In diesem Vortrag soll anhand von ausgewählten Beispielen, Textstellen und Termini, insbesondere ausGespräche (Lunyu) des Konfuzius, die Vielfalt und Komplexität von Wilhelms Übersetzungsmethoden dargestellt und veranschaulicht werden, teils auch im Vergleich mit anderen Übersetzern.
Zugleich werden Aspekte berührt, die auch in der anschließenden Diskussionn weiter erörtert werden können, wie: generelle (Un-)Übersetzbarkeit, Vergleichbarkeit von Kulturen und deren Geistesströmungen, Äquivalenzbeziehungen zwischen deutschen und chinesischen Wörtern bzw. Begriffen, verdeutschende und verfremdende Übersetzung, Universalien und Kulturspezifika, Universalismus, Relativismus u.a.
Zur Referentin
Prof. Dr. Dorothea Wippermann hat in Köln, Bonn (SOS) und Trier Sinologie, Allgemeine Sprachwissenschaft und Neuere deutsche Literaturwissenschaft studiert und längere Studien- und Forschungsaufenthalte in Taipeh, Nanjing und Beijing absolviert.
Sie war von 1984 bis 2000 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fach Sinologie an der Universität Trier. Von 2001 bis 2020 war sie Professorin für Sprache und Kultur Chinas an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. Ihre fachlichen Schwerpunkte liegen in Bereichen der chinesischen Sprachwissenschaft, der chinesischen Sprachdidaktik, der chinesisch-deutschen Literatur-Übersetzung und der chinesisch-westlichen Inter- bzw. Transkulturalität. Promoviert wurde sie mit einer Dissertation zur Grammatik des modernen Chinesischen, und sie hat eine Habilitationsschrift zur Redewiedergabe in der klassischen chinesischen (wenyan-)Erzählliteratur publiziert. Sie ist Verfasserin der Biographie Richard Wilhelm. Der Sinologe und seine Kulturmission in China und Frankfurt (2020).