Die Vorstellung von der „Einheit von Natur und Mensch“ – der Neokonfuzianer Wang Yangming (1472-1529) spricht von einem „einzigen Körper“, der „einen Familie“ – hat im chinesischen Begriff für „Ökologie“ (shengtai) ihren Niederschlag gefunden. Ökologisch zu handeln bedeutet, sich in Übereinstimmung mit traditionellen Konzepten des chinesischen Denkens in die „Dynamik des Seins“ einzufügen. Der Mensch muss, um einen Ausdruck von Catherine Despeux zu verwenden, „kosmisch lebendig“ werden, „geschmeidig und biegsam“. Das „NATUR-SEIN“ des Menschen ist für ein Verhalten, das „nachhaltig“ ist, von entscheidender Bedeutung. Um dieses wird es in meinem Vortrag gehen – und zwar ausgehend von fünf Thesen und Ausführungen zur ersten, zweiten und dritten Natur.
Dr. Heinrich Geiger
Nach einem Promotionsstudium der Sinologie, Philosophie, Chinesischen Kunst und Archäologie an der LMU München langjährige Tätigkeit in der entwicklungspolitischen Bildungszusammenarbeit. Regionaler Schwerpunkt: Ostasien, Südostasien. Zahlreiche Publikationen in Aufsatz- und in Buchform zur interkulturellen Ästhetik, Kunst und Philosophie. Vortragstätigkeit und künstlerische Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Ost und West. Der Autor betreibt den Blog „aesthetische-spaziergaenge“. 2019 erschien bei MSB Matthes & Seitz Berlin sein Buch Den Duft hören. Natur, Naturbegriff und Umweltverhalten in China, 307 Seiten.