In diesem Vortrag stellt Prof. Li Xuetao zwei chinesische Studierende der Bonner Sinologie in den 1930er Jahren vor: Lu Yi (1910–1938) und Wang Chengru (1909–1981). Ausgehend von ihren Biographien, Dissertationen und ihrer Tätigkeit als Sprachlehrende geht er der Frage nach, welche Rolle chinesische Studierende in der frühen Geschichte der Bonner Sinologie gespielt haben.
Lu Yi promovierte bei Erich Schmitt über den Tang-Dichter Wen Tingyun und verband dabei chinesische Literaturtraditionen mit europäischen literaturwissenschaftlichen Ansätzen. Wang Chengru verfasste 1939 die vermutlich erste Dissertation über Lu Xun im deutschsprachigen Raum und machte damit die moderne chinesische Literatur erstmals zu einem Gegenstand akademischer Forschung in Deutschland.
Anhand dieser beiden Beispiele wird gezeigt, wie Prozesse der Wissensmigration, kulturellen Übersetzung und transnationalen Vermittlung zwischen China und Deutschland bereits in den 1930er Jahren die Bonner Sinologie geprägt haben. Zugleich soll der Vortrag einen kleinen Beitrag zur internationalen Geschichte der Bonner Sinologie und zu den deutsch-chinesischen Wissenschaftsbeziehungen der Zwischenkriegszeit leisten.