Universität Bonn

Abteilung für Südasienstudien

Das EU-Indien Freihandelsabkommen in deutschen, französischen, britischen und hindi- sowie englischsprachigen indischen Nachrichtenmedien

Forschungsprojekt durchgeführt von Arno Dohmen

Bereits seit 2007 verhandeln die EU und Indien ein Freihandelsabkommen, dessen Abschluss jedoch bislang aufgrund sich gegenseitig ausschließender Interessen und Konflikte ausblieb. Eine vergleichende Inhaltsanalyse repräsentativer deutsch‑, fran­zösisch‑, englisch‑ und hindisprachiger Schriftmedien, die von 2007 bis 2013 über die potenzielle Implementierung dieses Freihandelsabkommens berichteten, zeigt, dass Medien in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Indien zu stark voneinander abweichenden Wahrnehmungen in den jeweiligen Gesellschaften beigetragen haben. Diese gravierend voneinander abweichenden Wahrnehmungen, auch innerhalb wirtschaftlicher Kreise, haben das Vorhaben politischer Entscheidungsträger, das Abkommen umzusetzen, in keinem Fall begünstigt. Die wenigen Artikel, die über dieses Abkommen berichteten, thematisierten in erster Linie Interessen und Konflikte der jeweiligen Länder, ohne jedoch die historischen und soziokulturellen Hintergründe zu berücksichtigen, die für ein Verständnis der Ausgestaltung des Abkommens unabdingbar sind. Dabei spiegelt sich die Komplexität der Ausgestaltung dieses Abkommens in einer länderspezifischen, interessenbezogenen und insgesamt eher oberflächlichen Berichterstattung wider. Zu einem besseren Verständnis der stark divergierenden EU-Indien-Beziehung konnte diese Art der Berichterstattung deshalb nur wenig beitragen. Ein zukünftiger Abschluss dieses Freihandelsabkommens scheint daher auch von mehr Verständnis und Informiertheit der jeweiligen Gesellschaften sowie Entscheidungsträger innerhalb der EU und Indiens abhängig zu sein. Diesen fehlt es offensichtlich an einem tieferen Verständnis für die stark voneinander abweichenden historischen und sozialen Hintergründe der jeweils anderen Partei, was heute wiederum zu unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Interessen und Konflikten in Bezug auf die Ausgestaltung des Abkommens beiträgt.

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