Fachbeschreibung
Die Abteilung für Asiatische und Islamische Kunstgeschichte wurde 1967 zunächst als Forschungsstelle für Orientalische Kunst von Prof. Dr. Heinrich Lützeler gegründet.
Heinrich Lützeler war mit Willi Graf, einem zentralen Mitglied der „Weißen Rose“ befreundet und gehörte selbst zur akademischen Opposition gegen das NS – Regime. Mehrere Personen des Bonner Freundeskreises um Willi Graf besuchten regelmäßig Lützelers Seminare und Vorlesungen und noch in der Zeit der Flugblattaktionen stand dieser seinen ehemaligen Studierenden als Freund und Ratgeber zur Seite.
Nachdem Lützeler 1940 von den Nationalsozialisten die Lehrbefugnis entzogen bekommen hatte, entwickelte er in der nachfolgenden Zeit der „inneren Emigration“ seine Idee einer „Weltkunstgeschichte“ und hielt dazu private Vorlesungen in seinem Wohnhaus. Zu seinen Hörern gehörte, neben Menschen aus dem Umfeld des aus Bonn vertriebenen Theologieprofessors Karl Barth wie Otto Bleibtreu, auch der ebenfalls „verfemte“ Konrad Adenauer. Die Gründung der zunächst „Forschungsstelle für Orientalische Kunstgeschichte“ benannten Abteilung im Jahr 1967, war im Sinne einer „Wiedergutmachung“ eine späte Folge dieser Zeit. Von Anbeginn umfasste die Abteilung drei Bereiche: Islamische Kunst, Süd- und Südostasiatische Kunst, sowie Ostasiatische Kunst. Dies spiegelt sich auch in der umfangreichen Sammlung und der ebenfalls 1967 begründeten Bibliothek wieder, in denen die Bereiche „Islamische Kunst und Architektur“, „Südasiatische Kunst und Architektur“, „Südostasiatische Kunst und Architektur“ und „Ostasiatische Kunst und Architektur“ vertreten sind.
Mit dem Kunsthistoriker, Archäologen und Indologen Prof. Dr. Klaus Fischer wurde der Lehrstuhl 1974 erstmals neu besetzt und die bisherige „Forschungsstelle“ zugleich zum „Seminar für Orientalische Kunstgeschichte“ erhoben. Klaus Fischer führte langjährige Ausgrabungsprojekte in Afghanistan durch und zählte zu den führenden Kapazitäten im Bereich der islamischen Kunstgeschichte.
Die Süd- und Südostasiatische Kunst wurde unter Prof. Dr. T. S. Maxwell zum Schwerpunktbereich der Abteilung. Die AIK ist die einzige Abteilung im deutschsprachigen Raum, an der die Südasiatische Kunst überhaupt noch im Schwerpunkt gelehrt wird.
Seit September 2010 wird die Abteilung von Prof. Dr. Julia A. B. Hegewald mit den Forschungsschwerpunkten Jaina-Kunst und -Architektur, Wasserarchitektur Südasiens, Himalaya-Kunst und asiatischem Städtebau geleitet. Die Lehre wird verstärkt durch Wissenschaftliche Mitarbeiter, die sich auf unterschiedliche Schwerpunkte der Abteilung spezialisieren.
Ergänzt wird diese einzigartige Kombination durch die Möglichkeit, gleichzeitig in den anderen Abteilungen des Instituts für Orient- und Asienwissenschaften (IOA) die relevanten Sprachen und thematisch zugehörigen Disziplinen zu studieren.
Des Weiteren kann hier ein Artikel zu Heinrich Lützler, Willi Graf und der "Weißen Rose" gelesen werden.