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Gastvortrag von Prof. Dr. Ulrike Niklas

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Die Töpfer von Madurai und der Kult um den Dorfgott Aiyanar. Montag, 09.12.2019, Beginn: 18.15 Uhr Abteilung für Asiatische und Islamische Kunstgeschichte, Adenauerallee 10, ÜR (EG)

"Was man heutzutage als „Hinduismus“ bezeichnet ist tatsächlich eine Ansammlung verschiedener religiöser Formen, die unter einem Begriff zusammengefasst wurden. Die beiden Extreme sind - auf der einen Seite - die hohe Form der Tempelreligion, ausgeführt und kontrolliert von brahmanischen Priestern. Das andere Extrem bilden die Stammesreligionen. Diese Religionen sind generell „animistisch“, was bedeutet, dass die Natur belebt ist. Stammesangehörige sehen sich selbst als Kinder von Vater Sonne und Mutter Erde an und begreifen sich als Brüder und Schwestern der Bäume, Tiere etc.

Irgendwo in der Mitte zwischen diesen beiden Extreme befinden sich die verschiedenen Formen der Dorfreligion. Darin geht es hauptsächlich um Dinge, die für das Überleben der Menschen und den reibungslosen Tagesablauf notwendig sind. Die meisten der indischen Dörfer sind landwirtschaftliche Siedlungen. Deswegen kümmern sich die Dorfgottheiten dort um das landwirtschaftliche Leben.

Die wichtigste Dorfgottheit in den ländlichen Regionen Tamilnadus ist Aiyanar. Man findet ihn in fast jedem Tamil-Dorf. Er wird als Hauptwächter der Dörfer und der umgebenden Felder betrachtet und seine Tempel befinden sich meist an der Grenze des Dorfumlandes - niemals innerhalb des bewohnten Gebiets. 

Die Velar Madurais bilden eine Töpfergemeinschaft die stark mit der Verehrung Aiyanars verbunden ist, weil sie die Tonfiguren, die im jährlichen Tempelfest benötigt werden, herstellt. Genau genommen wäre die Verehrung Aiyanars ohne die Arbeit der Velar unmöglich, und - noch wichtiger - Aiyanar und seine Horde könnten ihre Funktion als Wächter des Dorfes nicht ausführen."

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