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Fachgeschichte

Geschichte der Indologie an der Universität Bonn

„Benares am Rhein”: Alt- und mittelindische Philologie in Bonn

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Die Tradition der Bonner Indologie geht auf die Neugründung der Universität Bonn im Jahr 1818 zurück, als mit August Wilhelm von Schlegel der damals wohl bedeutendste Kenner des Sanskrit und seiner Literatur in Deutschland berufen wurde. Das Jahr 1818 markiert zugleich auch den Beginn der akademischen Sanskrit-Studien in Deutschland. Der Ehrentitel Bonns als "Benares am Rhein" bezieht sich auf diese hoch angesehene indologische Tradition an der Universität Bonn. August Wilhelm von Schlegel (1767-1845) hatte Sanskrit in Paris gelernt, angeregt u.a. von seines jüngeren Bruder Friedrich und dessen epochemachendem Buch "Über die Sprache und Weisheit der Indier" (1808).

 

Bereits 1820 erschien der erste Band der von A.W. von Schlegel gegründeten Zeitschrift "Indische Bibliothek" (bis 1830). 1823 erschien in Bonn seine Ausgabe der Bhagavadgita mit lateinischer Übersetzung mit Devanagari-Typen, gefolgt von weiteren Textausgaben (u.a. Hitopadesa 1829, Teile des Ramayana 1829-1838). Schlegel hatte den Letternsatz bereits zu Beginn seiner Tätigkeit als Professor an der Universität Bonn auf Anregung des preußischen Staatsministers von Hardenberg und des Kultusministers von Altenstein herstellen lassen und seit 1821 verwendet. Er wurde noch im gleichen Jahr zur Vorlage des Devanagari-Letternsatzes an der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin, der wiederum 1824 zur Société Asiatique in Paris gesendet und dort zur Vorlage für deren Devanagari-Typen wurde.
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Nachfolger A.W. von Schlegels als Ordentlicher Professor der Altindischen Sprache und Literatur an der Universität Bonn wurde 1840 sein langjähriger Schüler, Mitarbeiter und bereits seit 1830 "außerordentlicher Professor" Christian Lassen (1800-1876). Durch die von ihm herausgegebenen Textausgaben und Übersetzungen (u.a. Samkhyakarikas, Bonn 1832, und Gitagovinda, Bonn 1836), seine Herausgeberschaft der Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes (1837-1850) bzw. Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (seit 1847) und vor allem durch seine vierbändige "Indische Alterthumskunde" (1847-1862 ["Anhang zum II. und IV. Bande"]), einer Art Enzyklopädie des indologischen Wissens seiner Zeit, wurde der Ruf der Bonner Indologie weiter gefestigt.

Die wissenschaftliche Tätigkeit der Schüler A.W. von Schlegels und C. Lassens stellt Ernst Windisch im zweiten Teil seiner "Geschichte der Sanskrit-Philologie" (Berlin 1920) unter der Kapitelüberschrift "Die Bonner Schule" dar. Einer der prominenten Lassen-Schüler, Hermann Brockhaus (1806-1877), war seinerseits Lehrer von Max Müller (1823-1900), der als Herausgeber der ersten gedruckten Ausgabe des Rigveda in Indien der wohl bekannteste westliche Indologe überhaupt sein dürfte.

Im 19. Jahrhundert war es nur wenigen deutschen Indologen möglich, nach Südasien zu reisen bzw. vor Ort wissenschaftlich tätig zu sein. Einer von ihnen war Martin Haug (1827-1876), der sich 1854 in Bonn habiliert hatte und von 1859-1866 als Professor des Sanskrit in Poone tätig war und dort in intensiven Kontakt mit hinduistischen und parsischen Gelehrten trat.

Von 1875 bis 1889 wurde der Bonner Lehrstuhl von Theodor Aufrecht (1821-1907) vertreten. Aufrechts vielleicht bekanntestes Werk ist der 1891 erschienene "Catalogus Catalogorum", ein umfassendes alphabetisches Register von Werken und Autoren im Sanskrit. Vor und nach dem Erscheinen des "Catalogus Catalogorum" veröffentlichte T. Aufrecht Verzeichnisse mehrerer bedeutender Manuskriptsammlungen, u.a. den Katalog der Sanskrit-Handschriften in der Bodleian Library in Oxford (erschienen 1864), wo er Max Müller schon bei dessen Rigveda-Ausgabe assistiert hatte.

Nachfolger T.Aufrechts wurde Hermann Jacobi (1850-1937). H. Jacobi war ein echter indologischer Universalgelehrter: Zu seinen Spezialgebieten gehörten die indischen "Epen" Ramayana und Mahabharata, indische Philosophie und Religionsgeschichte, Poetik, Astronomie und die Literatur des Jinismus, der Schwesterreligion des Buddhismus, in Sanskrit und in mittelindischen Sprachen (Prakrits). Bei seiner zweiten Indienreise entdeckte er 1914 Handschriften in der bis dahin kaum erforschten Spätform des Mittelindischen, dem Apabhramsa.

1921 wurde Willibald Kirfel (1885-1964) zum Nachfolger H. Jacobis berufen. Seine monumentale Habilitationsschrift über die Kosmographie der Inder, ein Jahr vorher in Bonn erschienen, vergleicht die hinduistische, jinistische und buddhistische Kosmologie, verweist auf mesopotamische Ursprünge und zugleich auf ihre Ausstrahlung bis nach Ost- und Südostasien. Wegweisend wurde auch W.Kirfels textkritische Auseinandersetzung mit der bis dahin wissenschaftlich nur wenig erforschten Literaturgattung der Puranas.

1955 wurde das heute noch bestehende Indologische Seminar aus dem Orientalisches Seminar ausgegliedert und zog in das Universitätsgebäude Regina-Pacis-Weg 7 ein, wo Sekretariat, Dozentenzimmer und die umfangreiche Bibliothek mit ihrem gegenwärtigen Bestand von mehr als 30.000 Bänden bis heute untergebracht sind. Zugleich wurde Paul Hacker (1913-1979) nach W. Kirfels Emeritierung auf den Lehrstuhl für Indologie und zum Direktor des Seminars berufen. P. Hacker hatte auch schon einige Semester als Student in Bonn verbracht und sich hier 1949 mit seinen Studien zur Geschichte des frühen Advaita auch habilitiert, war aber dann zunächst an die Universität Münster und an das Mithila Institute in Darbhanga (Indien) gegangen. 1963 folgte P. Hacker einem Ruf nach Münster als erster Inhaber des dortigen indologischen Lehrstuhls.

Frank Richard Hamm (1920-1973), seit 1965 Professor in Bonn, war einer der Initiatoren der indo-tibetischen Forschungen an der hiesigen Universität. Vier Jahre lang war er stellvertretender Vorsitzender des 1969 gegründeten Sonderforschungsbereichs 12 "Zentralasien" der Bonner Universität. Doch auch die Bonner Tradition der Mittelindischen Studien griff F.R. Hamm mit Arbeiten zu Buddhismus und Jinismus wieder auf.

Nach dreijähriger Vakanz nach F.R. Hamms verfrühtem Tod wurde 1976 Claus Vogel (1933-) von Marburg nach Bonn berufen und wurde wie sein Vorgänger als Direktor des Indologischen Seminars zugleich auch stellvertretender Vorsitzender des Sonderforschungsbereichs 12. Die indo-tibetische Ausrichtung des Bonner Seminars wurde darüber hinaus noch durch Michael Hahn (seit 1972 zunächst Wissenschaftlicher Assistent, dann Akademischer Rat und - bis zu seiner Berufung als ordentlicher Professor für Indologie in Marburg 1988 - Oberrat) und Helmut Eimer (zunächst seit 1968 Wissenschaftlicher Assistent, dann Wissenschaftlicher Mitarbeiter bis zu seiner Pensionierung 2000) gestärkt.

C. Vogel führte das Seminar auch nach seiner Emeritierung 1998 zunächst als Geschäftsführender Direktor weiter und wurde dann von Leo Both, Konrad Klaus und Thomas Oberlies vertreten. Seit der Berufung von K. Klaus zum ordentlichen Professor für Indologie (2001) sowie der Anstellung von zwei Wissenschaftlichen Mitarbeitern und mit der Einführung der neuen BA/MA-Studiengänge des Instituts für Orient- und Asienwissenschaften (IOA) - ehemals "Asienzentrum" - im WS 2004/05 erscheint das Neben- und Miteinander von altindischen und neuindischen Studien dauerhaft gesichert. Das Indologische Seminar ist Mitglied des IOA der Universität Bonn.

In der Gegenwart bietet die Abt. für Indologie ein volles Vorlesungsprogramm in den Sprachen Sanskrit und Hindi an.

Die Sprachmodule werden im Rahmen des BA-Asienwissenschaften und im Rahmen des MA West- und Südasien unterrichtet.   

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